Bacon Böller

Bacon Böller

Gestern auf der Silvesterparty eines Kumpels habe ich es endlich mal geschafft, ein Projekt anzugehen, welches schon des Längeren auf meiner Liste stand: Dynamitstangen vom Grill. 

Wem jetzt schon der Schweiß auf der Stirn steht, dem sei gesagt, das Ganze ist weniger gefährlich, als es sich anhört, aber dennoch nicht weniger explosiv. Selbstverständlich liegt da kein richtiges TNT auf dem Rost, das Ganze basiert auf einer ursprünglichen Idee von pitfire-bbq (hier der Original-Link).

Ich habe das Ganze allerdings zumindest von der Füllung her etwas verändert. Nicht zu wenig gemischtes Hackfleisch landet natürlich nach wie vor darin, ansonsten liebe ich beispielsweise aber noch die wunderbar salzig-wuchtige Note, die frischer Feta-Käse verleiht, gepaart mit gedünstetem Blattspinat. Dazu noch ein paar schöne Zehen Knoblauch und Tomaten und fertig ist.

Für die Silvesterfeier habe ich eine – sagen wir mal etwas größere Menge – gemacht, am Ende waren es ca. 40 Stangen.

Ich habe unter anderem fast ein Kilo Hackfleisch so wie zwei Kilo Bacon verarbeitet.  

Meine Frau mit ihrer Aversion gegen rohes Fleisch und das ganze Fett hatte schon wieder leicht Schnappatmung, war aber umso erstaunter vom Ergebnis und hat am Ende glaube ich nicht nur eine der Stangen vertilgt. 🙂

Wenn ihr also nicht gerade eine Party verpflegen müsst, bekommt ihr jetzt im Folgenden die Mengenangaben für 10 Stangen:

  • 10 Cheyenne-Chilis
  • 200g Hackfleisch
  • Eine Viertel-Dose gehackte Tomaten mit Saft
  • 10 Cannellonis
  • 1 große Zehe Knoblauch
  • Etwas Blattspinat
  • 50g Fetakäse
  • 500 g Bacon
  • Ein wenig Gewürzmischung

Hochexplosiv, seichter Böller oder Überraschungspaket?

Den größten Spielraum was die anschließende Schärfe angeht, hast du selbstverständlich beim Präparieren der Chilis. Oben aufgesteckt wird am Ende nur ein Teil des Kopfes mit dem Stängel für die Optik.

Das heißt, du schneidest die Chilis ca. 2 cm unterhalb des Stängels ab. Nun kannst du die Kerne und das weiße Fleisch komplett innen belassen, ein wenig aushöhlen oder ganz entkernen. Fakt ist, dass der Scharfmacher Capsaicin genau dort drin steckt.

Ich selbst habe die Kerne so weit es ging entfernt (bei 2 cm geht das je nach Durchmesser der Chili mal besser, mal schlechter) und so am Ende ein variables Ergebnis. Einige der Schoten hatten wirklich noch ziemliches Feuer, andere nicht. Ein echter Überraschungseffekt für die Silvesterparty.

Chilis mit Böller
Feurig explosiv: Cayenne Chili Schoten

Cool ist auf jeden Fall, dass die Dynamitstangen auf dem größten Teil ihrer Länge nicht wirklich scharf sind, sich dann aber spätestens am Kopf nochmal ordentlich auf der Zunge offenbaren. Das ist gut, wenn man auch Leute hat, die nicht gerne scharf essen oder es einfach nicht vertragen, weil sie dann selbst entscheiden können, ob sie den Chili-Kopf mitessen.

Am Anfang war die Hackmasse

Und genau hier machen wir auch weiter: mit der Füllung. Im ersten Schritt dünstest du den Blattspinat mit ein wenig Olivenöl und Wasser in einer Pfanne unter geschlossenem Deckel, bis dieser ein ganzes Stück an Volumen eingebüßt hat. Stell ihn dann zunächst bei Seite und lass ihn abkühlen.

Blattspinat dünsten
Der Spinat wird in der Pfanne kurz angedünstet

Nimm dir jetzt eine der restlichen Chili-Stücke (du solltest noch mindestens zehn haben), schneide die Schote der Länge nach auf und entferne die Kerne. Im Anschluss daran schneidest du das Stück Schote in feine Ringe und gibst es in eine Schüssel.

Die Knoblauchzehe befreist du von Ihrer Schale und schneidest sie mit einem Messer in feine Stücke und gibst sie zu den Chili-Stücken in die Schüssel. Es folgt das Hackfleisch und der Blattspinat.

Für die Würze kannst du nun noch eine ausreichende Menge deines favorisierten Rubs hinzu tun. Bei mir war’s mal wieder mein schöner All-Purpose-Rub (u.a. Salz, Pfeffer, Paprika, Rohrzucker, Kreuzkümmel), den mein Bruder mir mal aus Alaska mit gebracht hatte. Das Ding heißt ja nicht umsonst Allzweck-Rub. Im Original-Rezept war es übrigens der Ashes of Hell-Rub* von den Erfindern der Dynamitstange. Mit der Power aus getrockneten Jalapenos.

Du siehst also, auch über den Rub kannst du den Zungen-Explosions-Grad nochmal ordentlich nach oben schrauben.

Hackmasse
Jetzt muss die Hackmasse „nur“ noch in die Cannellonis gefüllt werden.

Im Vorfeld spielte ich übrigens auch mit dem Gedanken, eine Chili-con-Carne artige Mischung zu machen. Mit dicken Bohnen und Chili-Con-Carne-Mischung. Von Ankerkraut* gibt’s da sowas. Ist aber nicht dazu gekommen, da neben meinen Dynamitstangen auch jemand einen Chili con Carne zubereitet hatte. Die Idee finde ich per se noch immer gut, aber das Buffet wäre wohl geschmacklich ein wenig eintönig geworden. Aber ich schweife ab.

Nach der Hackmasse folgt noch die letzte, aber essentielle Zutat: Ein paar gehackte Tomaten, so wie sie der Handel mitsamt Saft in der Dose anbietet. Denn hierdurch bekommt die Hackmasse die benötigte Feuchtigkeit, damit am Ende auch die Cannelloni gar wird.

Habt ihr jetzt alle Zutaten in der Schüssel, dürft ihr das Ganze – vorzugsweise mit den Händen – vermengen, so dass ihr zum Schluss eine schöne homogene Masse habt.

Eine Arbeit für Blöde: Die Füllmasse in die Cannellonis hauen

Es folgt die Arbeit, die mich regelmäßig davon abhält, überhaupt mal Cannellonis zu machen: Das Füllen selbiger. Für einige Füllungen kann man sicherlich gut mit dem Spritzbeutel agieren, oder auch einfach einem Frischhaltebeutel, von dem man eine Ecke unten bei der verschweißten Naht abschneidet und die Füllmasse durchpresst.

Für die Hackmasse halte ich es eher für ungeeignet, da ich das Hackfleisch lieber luftig habe, als es zu zerquetschen.

Also wurde die Hackmasse liebevoll Löffel um Löffel und mit den Fingerchen in die einzelnen Cannellonis eingefüllt.  

Ein kleines Schälchen, in dem man die hohlen Nudeln aufrecht in größerer Anzahl hineinstellen kann, erleichtert das Leben allerdings schon ungemein (siehe dazu die Fotos).

Rohe Chili Dynamit Stangen
Die Köpfe der Chili Schoten mit dem Stängel werden einfach oben in die gefüllten Cannellonis hineingedrückt.

Füll die Nudeln übrigens nicht ganz bis an die Unterkante, da du jetzt als letzten Schritt noch die Chili-Köpfe in die Masse drücken musst. Dabei quillt dir im Normalfall (archimedisches Prinzip) wieder etwas Hackmasse heraus.

Everything tastes better with Bacon

Nicht weniger aufwändig als die Hackmasse in die Nudeln zu füllen, ist sie in Bacon zu wickeln.

Die Cannelloni einhüllen

Im Originalrezept waren es übrigens vier Scheiben Bacon pro Stange. Ich habe eine „Probe-Wicklung“ gemacht und drei Scheiben Bacon schon als ordentliche Menge erachtet.

 

Wichtig sind vor allen zwei Dinge:

Erstens: Die Bacon-Scheiben müssen auf der Innenseite mit Barbecue-Sauce bestrichen werden, welche als zusätzliche Flüssigkeit zum Garen der Nudeln dient.

Und zweitens: Die Nudeln müssen an jeder Stelle komplett vom feuchten Bacon bedeckt sein.

Mit folgender Technik wickelst du nun den Bacon um die gefüllten Cannelonis: Zunächst einmal eine Scheibe, die längs entlang zwei Seiten der Cannelloni verläuft und somit die Füllung am Boden in der Nudel hält.

Zwei weitere Scheiben Bacon werden nun nebeneinander aufgereiht und Sauce bestrichen. Hierin rollst du die Cannelloni einmal komplett ein. Da je nach verwendetem Bacon und Breite die zwei Bahnen nicht ausreichen, um die Cannelloni komplett zu verhüllen, hilft es ganz einfach ein wenig schräg einzurollen, dann solltest du in jedem Fall alles abgedeckt bekommen.

Ich denke wenn du dir die Bilder hier anschaust, dann wird das ganze Prinzip relativ schnell klar.

 

Rohe Chili Dynamit Stangen
So sehen die Bacon Böller aus, wenn sie mit dem Bacon umhüllt sind.

Die Dynamitstangen in die heiße Kugel geben

Den Grill bereitet ihr idealerweise mit Briketts für eine schöne Zwei-Zonen-Glut vor. Ich habe hierzu die Feuerkörbe des Webers verwendet und diese gestrichen voll mit glühenden Briketts gemacht. Mit der Menge an Briketts konnte ich übrigens problemlos drei Fuhren a 45 Minuten zubereiten. Briketts sind einfach super. Wenn du mehr über die Zwei-Zonen-Glut erfahren kannst, lies meinen Artikel dazu.

Auf diese Weise entsteht in der Mitte die indirekte Zone, in der ich die Dynamitstangen platziert habe. Rund 180° – 200° sollte der Grill übrigens haben (und hat er durch die Menge der Briketts auch bekommen), damit der Bacon eine schöne braune Farbe annimmt und leicht knusprig wird.

Kein Thermometer, kein Glaze, kein Stress

Hast du die explosiven Stangen aufgelegt, kommt nur noch schnell der Deckel drauf. 40 – 45 Minuten benötigen sie in jedem Fall. Ich hab noch nicht mal ein Thermometer drin gehabt. Einfach Deckel zu und nen Timer auf eine dreiviertel Stunde gestellt. Dann den Deckel wieder aufgemacht und entschieden, ob der Bräunungsgrad mir genügte.  Auf einen zusätzlichen Glaze in Form von Barbecue-Sauce habe ich ebenfalls verzichtet. Nur kein Stress an Silvester. 🙂

Bacon Böller angeschnitten
Satt kross gefärbter Bacon mit gefüllter Nudel im Kern.

Du brauchst auch überhaupt keine Angst haben, dass dir bei den fast zweihundert Grad und der langen Zeit die Hackmasse zu trocken wird. Das verhindert zum Einen der Tomatensaft und die gehackten Tomaten, zum anderen die Unmengen an Bacon, die außen um die Nudel gewickelt sind.

Meine größte Sorge war, dass die Cannelloni, die ja im rohen Zustand in den Grill wandert, am Ende nicht gar würde, aber selbst das hat wunderbar geklappt. Ein wenig Flüssigkeit wie oben erwähnt in der Füllung vorausgesetzt, die mit Sauce bestrichenen Bacon-Scheiben und die lange Garzeit erledigen dann den Rest.

Das Ergebnis am Ende war tatsächlich super, zumindest habe ich mehr als einmal gehört, dass die Teile total lecker waren. Nicht nur von meiner Frau. Ein echter „Aufwerter“ der Silvester-Party, befand auch der Gastgeber.

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