Das Feuer entfachen – Den Grill anzünden

Das Feuer entfachen – Den Grill anzünden

Vermutlich denkst du dir jetzt: Das ist ja wohl total albern, einen eigenen Artikel darüber zu verfassen, wie du deinen Grill anzünden kannst. Aber glaube mir: Ich habe schon vieles erlebt und es ist kaum zu glauben, was manchen Menschen veranstalten, um Glut zu entfachen. Vom einfachen Brennspiritus bis hin zum Laubbläser habe ich schon alles gesehen…

Dazu kommen eine schier unüberschaubare Anzahl von Gimmicks auf dem Zubehörmarkt (schon mal vom Grillföhn gehört? 🙂 ) sowie einige Dinge die man im Umgang mit den jeweiligen Hilfsmitteln beachten sollte.

Fakt ist: Zum Anzünden benötigt es nur Feuer und Sauerstoff.

Aber Fakt ist: es existieren mindestens so viele Möglichkeiten und Hilfsmittel einen Grill anzuzünden wie eine Flasche Bier zu öffnen. Welche genau das sind, und was für Möglichkeiten ich so kenne, dazu kommen wir jetzt im Detail.

Noch befindliche Asche vom letzten Grillen, die sich unten im Grill angestaut hat, solltest du übrigens unbedingt entfernen. Die Ascheschicht am Boden verringert die später vom Boden in den Kugelgrill zurückgeworfene Hitze enorm.

Ohne spezielle Hilfsmittel deinen Grill anzünden

Ok, ok. Ein Feuerzeug oder zumindest Streichholz solltest du schon zur Hand haben, wenn du nicht unbedingt wie ein Geistesgestörter stundenlang zwei Feuersteine gegeneinander hämmern möchtest oder Ommas alte Leselupe missbrauchen willst.

Zum schnellen Entzünden der Kohle empfiehlt es sich, die Kohlen oder Briketts pyramidenförmig auf dem Brennmaterial aufzuschichten. Dadurch erzeugst du einen Kamineffekt und es kommt von allen Seiten und vor allem unten Luft an die Glut. Unten muss dennoch genug Raum und Luft sein, um ein Feuer zu erhalten.

Aber was nehmen, wenn keine Grillanzünder vorhanden sind? Zeitungspapier brennt zu schnell herunter, da wirst du vermutlich eine komplette Tageszeitung benötigen. Weiter unten gibt es mit der chilenischen Methode dennoch eine Art und Weise, wie du mit der Zeitung Aufmerksamkeit bereits beim Anzünden des Grills erzeugst und einfach mal ein bisschen posen kannst.

Ein weiterer Tipp, von dem ich im Internet mal gelesen hab, ist Briketts in einen Eierkarton zu legen und diesen anzuzünden. Kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, der Eierkarton glimmt nur vor sich hin, ohne nennenswert zu brennen und damit genug Hitze zu erzeugen, um die Briketts zum Glühen zu bringen.

Was sich gut eignet um den Grill anzünden zu können ist ein wenig dünnes und trockenes Holz. Dicke Wellpappe oder dickes Papier. Mit diesem spickst du den unteren Teil deiner Kohlepyramide und zündest das Ganze an.

Pro-Tip: Mit einem Stabfeuerzeug zündest du zielsicher nur die Kohle, nicht aber deine Finger an.

Einen Anzündkamin verwenden

Die einfachste Methode das Brennmaterial schnell und einfach zu entzünden ist und bleibt ein Anzündkamin.

Dabei hat der Kamin für mich mehrere Vorteile:

  1. Du zündest deinen Brennstoff schnell und vor allem sicher an.
  2. Du kannst die Menge des Brennstoffes einfach dosieren.

Da die Menge des Brennstoffs ein nicht unwesentlich Einflussfaktor auf die spätere Temperatur im Holzkohlegrill ist, empfiehlt es sich, die Menge der verwendeten Kohlen in Kombination mit der späteren Maximal-Temperatur im Grill festzuhalten.

Beispiel: Bei einem halb gefüllten Grillkamin erreichst du später im Grill bei voll geöffneten Lüftungsklappen 200° Celsius. Also markierst du dir mit einem wasserfesten Stift außen am Kamin einen Strich auf der Hälfte des Kamins und notierst 200°. Entsprechend weitere Markierungen kannst du weiter oben und unten setzen.

So weißt du sofort, für welche Temperatur du später welchen Füllstand des Kamins benötigst. Gleichbleibender Brennstoff ist hier natürlich vorausgesetzt.

Mehr Tipps hierzu findest du auch in meinem Artikel zur Temperaturkontrolle im Holzkohlegrill.

Welchen Grillanzünder verwendest du am besten?

Zunächst mal eine Übersicht, welche Grillanzünder-Arten es alles gibt (respektive ich derzeit kenne, die Liste hegt also keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber die bekanntesten sollten enthalten sein):

Holzwolle
Mein Favorit: Anzünder aus biologischer Holzwolle.

Holzwolle-Anzünder* – Gepresste Holzwolle mit Wachsüberzug. Diese wird unter dem Brennmaterial ausgelegt und mit einem Feuerzeug entzündet. Brennt mehrere Minuten gleichmäßig ohne Rauch- oder Geruchsentwicklung ab.

Naturholz-Anzünder mit Wachsüberzug* – Auch in Würfelform kommen diese braunen Anzünder. Auch diese Anzünder werden unter den Brennstoff ausgelegt und brennen dann langsam mit gleichmäßiger Flamme ab.

Grillanzuender
Klassische Grillanzünder Sticks

Parafin-Würfel – Das sind die klassischen, weißen Anzündwürfel.

Grillanzündergel* – hierbei handelt es sich um eine geruchsneutrale, gelartige Brennpaste. Diese wird auf den Brennstoff aufgebracht und entzündet.

Feuerspray* – Eine Sprühdose, mit Sprühverlängerung, die vermutlich auch notwendig ist. Gleicht dem Prinzip Flammenwerfer.

Es gibt im Übrigen auch noch selbstentzündende Kohlen oder Briketts, welche bereits in einen Grillanzünder getaucht sind. Hier empfehle ich, einfach mal die Packung öffnen und tief einatmen, meist riecht man dann schon die Petroleum-Gerüche. Aromen, auf die ich später in meinem Grillgut lieber verzichte.

Meine Empfehlung:

Zum Grill anzünden sind meine Favoriten ganz klar die Bioholzwolle-Anzünder in Kombination mit dem Grillkamin. Irgendwann habe ich mich einfach auf diese Dinger eingeschossen. Diese Anzünder brennen lange und gleichmäßig mit ordentlicher Flamme ab und haben meine Kohle bisher jedes Mal mehr als zuverlässig zum Glühen gebracht.

Finger weg vom Sprit

Du hörst es vermutlich zum x-ten Mal. Wie die Mama, die ihrem Kleinkind immer wieder eintrichtern muss, dass man mit Feuerzeugen nicht spielt. Trotzdem: Gefährliche Brandbeschleuniger wie Brenn­spiritus gehören nicht in die Nähe deines Grills und sollten unter keinen Umständen niemals nicht zum Grill anzünden verwendet werden. Sie können meter­hoch verpuffen und bis in die Flasche zurückschlagen.

Dadurch, dass die Flüssigkeiten bereits bei niedrigen Temperaturen schnell verdampfen, bildet sich über deinen Grill ein hoch explosives Gas-Luft-Gemisch, welches heftige Flammenbildung zur Folge haben kann. Die Explosionen aus Cobra 11 auf RTL sind dagegen gar nix.

Also: So lange du nicht irgendwann aussehen willst wie Freddie Krueger, lässt du den Brennspiritus besser da, wo er hingehört: Weit weg vom Grill.

Schweres Gerät auffahren

Niemand soll behaupten uns Kerlen würde der notwendige Erfindungsgeist fehlen, wenn es um den Einsatz schweren Geräts am noch unentzündeten Glutbett geht.

Hierzu muss es nicht speziell für den Grill hergestelltes Spezialgerät sein, auch ein Besuch im Baumarkt oder gut sortierten Eisenwarenhandel führt zum Erfolg. So lässt sich beispielsweise ein einfacher Handbrenner* mit entsprechender Gaskartusche wunderbar einsetzen, um schnell gleichmäßig glühende Kohlen zu erhalten.

Auch der Einsatz einer im Baumarkt erhältlichen Heißluftpistole* verspricht schnelle Erfolge. Bei bis zu 500° bleibt kein Stück Kohle verschont.

Ein tatsächlich speziell für den Einsatz am Holzkohlegrill konzipiertes Gerät ist der elektrische Grillanzünder*. Erinnert von Form und Funktion ein wenig an einen Tauchsieder, nur dass die aus Metallstangen bestehende Schleife nicht in Wasser getaucht wird sondern zwischen den Kohlen platziert wird. Mittels Elektrizität werden die Stangen glühend heiß und entzünden relativ flott die Kohle.

Not macht erfinderisch – Die chilenische Methode

Jetzt wie eingangs erwähnt mal ein bisschen was zum posen: Bei der chilenischen Methode handelt es sich um eine äußerst effektive und auch simple Art und Weise deine Kohlen zu entzünden. Das Beste an der Methode: Du darfst vorher oder nachher mit einer Flasche Bier deinen Durst stillen. Besser noch mit einer Flasche Wein, denn die ist nochmal etwas größer.

Chilenische Methode
Grill anzünden mit der chilenischen Methode: eine Flasche wird mit Zeitungspapier umwickelt und die Kohle pyramidenförmig rundherum aufgeschichtet. Dann wird die Flasche entfernt und der „Zeitungstunnel“ in der Mitte der Kohle entzündet.

Desweiteren benötigst du ein paar Seiten Zeitung. Rolle nun die Zeitung – am besten diagonal – auf (1)  und verzwirbele die Rolle nochmals, in dem du beide Enden in unterschiedliche Richtungen drehst. Bilde nun eine ca 2cm dicke „Zeitungswurst“. Diese wickelst du jetzt von unten nach oben immer rund um die Flasche (2).

Stell die so umwickelte Flasche jetzt in die Mitte deines Grills und schütte rund herum deine Kohlen und Briketts auf, so dass diese pyramidenartig um die Flasche arrangiert sind (3). Der Flaschenhals schaut nun als eine Art Vulkankegel oben aus deiner Pyramide heraus.

Jetzt kannst du die Flasche vorsichtig aus der Pyramide ziehen, die aufgeschichteten Kohlen sollten dem Zeitungsrohr jetzt genug Halt geben (4). Ein weiteres Stück Papier wird angezündet und in den nun entstandenen Luftschaft aus Papier gegeben (5).

Ein für mich klarer Nachteil der chilenischen Methode: Dir wehen je nach Windverhältnissen nachher nicht unbeachtliche Mengen an Asche von Zeitungspapier um die Ohren.

Das Geheimnis der weißen Asche

Warum zum Teufel steht auf jeder Grillkohle der Hinweis, dass man warten muss, bis sich eine gleichmäßige weiche Ascheschicht gebildet hat, bevor man mit dem Grillen beginnen soll? Und warum müssen Briketts ausgasen? Was  entweicht da.

Da ich auch nach ausführlicher Recherche im Netz nichts finden konnte, dachte ich mir: Frag doch die, die sich damit auskennen.

Während Weber es nicht für nötig erachtet hat, auch nur eine Reaktion in irgendeiner Form zu zeigen, war die Pressestelle von proFagus außerordentlich zuvorkommend und hat die Anfrage an die Experten ins Labor weitergeleitet. Einige Zeit später habe ich tatsächlich eine konsolidierte Antwort erhalten.

Der Hinweis bezüglich der weißen Ascheschicht – so wie er auch von der Prüfstelle DIN Certco vorgesehen ist – zielt darauf ab, dem Verbraucher eindeutig und einfach zu signalisieren, wann der Brennstoff (also die Holzkohle oder die Briketts) komplett durchgeglüht sind. Nun ist die optimale Temperatur erreicht, um mit dem Grillen zu beginnen.
Außerdem kann zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen werden, dass eventuelle flüchtige Bestandteile des Holzes (wie zum Beispiel Holzgase oder unerwünschte Fehlaromen) aus den Kohlen entwichen sind und so den Geschmack des Grillguts nicht mehr beeinflussen können. proFagus setzt für die Buchen Grill-Holzkohle Der Sommer Hit sowie die Briketts Grillis nur naturbelassenes Buchenholz ein, um bereits mit dem Rohstoff eine höchstmögliche Reinheit des Endproduktes gewährleisten zu können. Die besonders hohen Verkohlungstemperaturen im Retortenverfahren sorgen zusätzlich für eine besonders reine Grill-Holzkohle.
In diesen Kontext gehört auch das sogenannte „Abgasen“ beim Einsatz des Minion Rings: Da hier nicht durchgeglühte Briketts zum Einsatz kommen, sollen die Briketts genügend Zeit vor dem Auflegen des Grillguts bekommen, um sich aufzuwärmen und in diesem Prozess dann die erwähnten flüchtigen Bestandteile zu verlieren. Bei Briketts können die flüchtigen Bestandteile auch aus der verwendeten Stärke stammen. Nach dem Ausgasen durch die Erwärmung entzünden sich die Briketts im Minion Ring dann ähnlich wie durchgeglühte Briketts. Auch hier ist der Einsatz hochwertiger Briketts aus unbehandelten Hölzern und mit rein pflanzlicher Stärke, wie zum Beispiel unserer Grillis, sinnvoll, um von vornherein ein Produkt mit möglichst wenig flüchtigen Bestandteilen einzusetzen. Besonders ungeeignet sind hier beispielsweise Grillbriketts aus Braunkohle, da diese sich nicht nur schwerer durch die anliegenden Briketts weiter entzünden lassen, sondern auch für mehr Rauchbildung und Fehlaromen verantwortlich sein können.

Feuer frei

Du siehst: es gibt doch eine ganze Menge von Möglichkeiten, das Feuer in deinem Grill zu entfachen und die dich letzten Endes deinen Grill anzünden lassen.

Nachdem du jetzt einen kleinen Überblick über die Möglichkeiten hast, probiere doch einfach mal den ein oder anderen Weg aus. Welche Methode präferierst du?? Hinterlasse gerne einen Kommentar am Artikel, wenn du magst.

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